Von Journalisten und Journalisten

„Guter Qualitätsjournalismus hat eine große Zukunft vor sich“. Also sprach Frank Schirrmacher, Autor und Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei den Österreichischen Medientagen. Keine Stunde davor an diesem 22. September 2010 hatte Herausgeberin Eva Dichand in der Diskussionsrunde „Reichweite versus Qualität“ für ihre Gratiszeitung „Heute“ das Prädikat Qualitätsblatt in Anspruch genommen, weil es mehr als 800.000 Leser habe.„Guter Qualitätsjournalismus hat eine große Zukunft vor sich“. Also sprach Frank Schirrmacher, Autor und Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei den Österreichischen Medientagen. Keine Stunde davor an diesem 22. September 2010 hatte Herausgeberin Eva Dichand in der Diskussionsrunde „Reichweite versus Qualität“ für ihre Gratiszeitung „Heute“ das Prädikat Qualitätsblatt in Anspruch genommen, weil es mehr als 800.000 Leser habe.„Guter Qualitätsjournalismus hat eine große Zukunft vor sich“. Also sprach Frank Schirrmacher, Autor und Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei den Österreichischen Medientagen. Keine Stunde davor an diesem 22. September 2010 hatte Herausgeberin Eva Dichand in der Diskussionsrunde „Reichweite versus Qualität“ für ihre Gratiszeitung „Heute“ das Prädikat Qualitätsblatt in Anspruch genommen, weil es mehr als 800.000 Leser habe. (mehr …)

Ist der Ruf einmal ruiniert ….

62 Prozent der Deutschen halten Journalisten für manipulativ; nur 42 Prozent glauben, dass Journalisten unabhängig sind. Das sind zwei Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von forsa im Auftrag der Akademie für Publizistik in Hamburg. Die 1001 Bundesbürger, die befragt wurden, haben aber eine durchaus differenzierte Einstellung zum Journalismus.

81 Prozent der Befragten glauben nämlich auch, dass Journalisten für das Funktionieren der Demokratie wichtig bzw. sehr wichtig sind. Gleichzeitig sagt fast die Hälfte, dass sich die Meiden zu sehr mit Nebensächlichkeiten beschäftigten …

„… und nicht die Themen und Probleme aufgreifen, die die Menschen in Deutschland wirklich bewegen. Vor allem Befragte zwischen 14 und 29 Jahren (55 Prozent) finden ihre Themen in den Medien nicht wieder.“

Internet – das Leitmedium für die Jungen

Daher suchen sich vor allem die jungen Menschen virtuelle Orte, wo sie ihre Themen behandeln können – die Gemeinschaften, die communities, im Web 2.0. Dort geben nicht die Journalisten vor, worüber öffentlich diskutiert wird. Auch das ist ein Grund, warum soziale Netzwerke immer mehr Zulauf bekommen. Zu diesem Ergebnis ist eine andere Studie gekommen, bei der die VZ-Netzwerke zusammen mit dem Medienvermarkter IQ Digital 30.000 Jugendliche in Deutschland befragen ließ:

  • 93 % der Jugendlichen in Deutschland nutzen täglich das Internet;
  • 57 % schauen täglich fern
  • 42 % hören Radio;
  • 21 % der Jugendlichen lesen Tageszeitung

Journalismus braucht keine Imagekampagne

Zurück zur ersten Studie über ds Image der Journalisten. Heribert Prantl, Leiter des Ressorts Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, Dozent und Mitglied des Ethikrates an der Akademie für Publizistik zieht aus den Ergebnissen einen Schluss, den sich jene Medienherausgeber zu herzten nehmen solten, die glauben, mit dem Kaputtsparen ihrer REdaktionen das wirtschaftliche Überleben ihrer zeitung, ihrer Radio- oder Fernsehstation sicherzstellen zu können:

„Der Journalismus braucht keine Imagekampagne. Er braucht gute Journalisten. Ein Journalismus, dem die Leute trauen und vertrauen, ist wichtiger denn je.“

Nachsatz: Auch wenn die Studien in und für Deutschland erstellt wurden, sollten sich auch  österreichische Medienunternehmer und Journalisten betroffen fühlen.62 Prozent der Deutschen halten Journalisten für manipulativ; nur 42 Prozent glauben, dass Journalisten unabhängig sind. Das sind zwei Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von forsa im Auftrag der Akademie für Publizistik in Hamburg. Die 1001 Bundesbürger, die befragt wurden, haben aber eine durchaus differenzierte Einstellung zum Journalismus.

81 Prozent der Befragten glauben nämlich auch, dass Journalisten für das Funktionieren der Demokratie wichtig bzw. sehr wichtig sind. Gleichzeitig sagt fast die Hälfte, dass sich die Meiden zu sehr mit Nebensächlichkeiten beschäftigten …

„… und nicht die Themen und Probleme aufgreifen, die die Menschen in Deutschland wirklich bewegen. Vor allem Befragte zwischen 14 und 29 Jahren (55 Prozent) finden ihre Themen in den Medien nicht wieder.“

Internet – das Leitmedium für die Jungen

Daher suchen sich vor allem die jungen Menschen virtuelle Orte, wo sie ihre Themen behandeln können – die Gemeinschaften, die communities, im Web 2.0. Dort geben nicht die Journalisten vor, worüber öffentlich diskutiert wird. Auch das ist ein Grund, warum soziale Netzwerke immer mehr Zulauf bekommen. Zu diesem Ergebnis ist eine andere Studie gekommen, bei der die VZ-Netzwerke zusammen mit dem Medienvermarkter IQ Digital 30.000 Jugendliche in Deutschland befragen ließ:

  • 93 % der Jugendlichen in Deutschland nutzen täglich das Internet;
  • 57 % schauen täglich fern
  • 42 % hören Radio;
  • 21 % der Jugendlichen lesen Tageszeitung

Journalismus braucht keine Imagekampagne

Zurück zur ersten Studie über ds Image der Journalisten. Heribert Prantl, Leiter des Ressorts Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, Dozent und Mitglied des Ethikrates an der Akademie für Publizistik zieht aus den Ergebnissen einen Schluss, den sich jene Medienherausgeber zu herzten nehmen solten, die glauben, mit dem Kaputtsparen ihrer REdaktionen das wirtschaftliche Überleben ihrer zeitung, ihrer Radio- oder Fernsehstation sicherzstellen zu können:

„Der Journalismus braucht keine Imagekampagne. Er braucht gute Journalisten. Ein Journalismus, dem die Leute trauen und vertrauen, ist wichtiger denn je.“

Nachsatz: Auch wenn die Studien in und für Deutschland erstellt wurden, sollten sich auch  österreichische Medienunternehmer und Journalisten betroffen fühlen.

62 Prozent der Deutschen halten Journalisten für manipulativ; nur 42 Prozent glauben, dass Journalisten unabhängig sind. Das sind zwei Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von forsa im Auftrag der Akademie für Publizistik in Hamburg. Die 1001 Bundesbürger, die befragt wurden, haben aber eine durchaus differenzierte Einstellung zum Journalismus.

81 Prozent der Befragten glauben nämlich auch, dass Journalisten für das Funktionieren der Demokratie wichtig bzw. sehr wichtig sind. Gleichzeitig sagt fast die Hälfte, dass sich die Meiden zu sehr mit Nebensächlichkeiten beschäftigten …

„… und nicht die Themen und Probleme aufgreifen, die die Menschen in Deutschland wirklich bewegen. Vor allem Befragte zwischen 14 und 29 Jahren (55 Prozent) finden ihre Themen in den Medien nicht wieder.“

Internet – das Leitmedium für die Jungen

Daher suchen sich vor allem die jungen Menschen virtuelle Orte, wo sie ihre Themen behandeln können – die Gemeinschaften, die communities, im Web 2.0. Dort geben nicht die Journalisten vor, worüber öffentlich diskutiert wird. Auch das ist ein Grund, warum soziale Netzwerke immer mehr Zulauf bekommen. Zu diesem Ergebnis ist eine andere Studie gekommen, bei der die VZ-Netzwerke zusammen mit dem Medienvermarkter IQ Digital 30.000 Jugendliche in Deutschland befragen ließ:

  • 93 % der Jugendlichen in Deutschland nutzen täglich das Internet;
  • 57 % schauen täglich fern
  • 42 % hören Radio;
  • 21 % der Jugendlichen lesen Tageszeitung

Journalismus braucht keine Imagekampagne

Zurück zur ersten Studie über ds Image der Journalisten. Heribert Prantl, Leiter des Ressorts Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, Dozent und Mitglied des Ethikrates an der Akademie für Publizistik zieht aus den Ergebnissen einen Schluss, den sich jene Medienherausgeber zu herzten nehmen solten, die glauben, mit dem Kaputtsparen ihrer REdaktionen das wirtschaftliche Überleben ihrer zeitung, ihrer Radio- oder Fernsehstation sicherzstellen zu können:

„Der Journalismus braucht keine Imagekampagne. Er braucht gute Journalisten. Ein Journalismus, dem die Leute trauen und vertrauen, ist wichtiger denn je.“

Nachsatz: Auch wenn die Studien in und für Deutschland erstellt wurden, sollten sich auch  österreichische Medienunternehmer und Journalisten betroffen fühlen.

Fernsehen ohne Bild?

NDR Info – ein Radioprogamm – wird ab 6. September 2010 die ARD-Tagesschau – also eine Fernsehsendung – ausstrahlen.  NDR-Intendant Lutz Marmor ist euphorisch:

„Damit bietet das Informationsprogramm Hörern in ganz Norddeutschland einen besonderen Service: Sie müssen auch dann nicht auf die Tagesschau verzichten, wenn sie keine Gelegenheit haben fernzusehen, etwa unterwegs im Auto.“

Was sich die Verantwortlichen um NDR-Intendanten wohl bei der Entscheidung gedacht haben, die Fernseh-Tagesschau auch im Radio zu senden? Dass die Konsumenten die Information, die in den Fernsehbeiträgen transportiert wird, auch ohne Bilder vermittelt bekommen?

So muss es wohl sein. Denn bereits vor NDR Info übernehmen einige Radioprogramme der ARD, wie NDR 1 Radio MV, hr iNFO, SWR contra und Antenne Saar vom SR, die 20-Uhr-Tagesschau.

Mich wundert, dass die Fernsehreporter und -redakteure der Tagesschau nicht dagegen protestieren, dass nur die Tonspur ihrer Beiträge gesendet wird. Ohne Bilder, die nun einmal im Fernsehen den Großteil der Information vermitteln, sollten für die Nur-Hörer doch wesentliche Inhalte der Beiträge verloren gehen .

Mich wundert aber auch, dass die Radioredakteure der betroffenen Sender nicht darauf drängen, dass sie die Themen, die in der Tagesschau behandelt werden, hörfunkgerecht aufbereitet on air bringen können. Anstatt eine Fernsehsendung zur Radiosendung zu machen.

Letztlich die Frage an die Konsumenten: Bei aller Popularität der Tagesschau – ist es befriedigend eine Fernsehsendung ohne Bild anzuschauen?

Zusatzangebot hin oder her. Es gibt ja auch das Multimediaangebot auf dem Onlineportal der ARD, wo all jene die Tagesschau anschauen können, die um 20.00 Uhr mit dem Auto unterwegs sind oder gerade keinen Fernseher bei der Hand haben.

NDR Info – ein Radioprogamm – wird ab 6. September 2010 die ARD-Tagesschau – also eine Fernsehsendung – ausstrahlen.  NDR-Intendant Lutz Marmor ist euphorisch:

„Damit bietet das Informationsprogramm Hörern in ganz Norddeutschland einen besonderen Service: Sie müssen auch dann nicht auf die Tagesschau verzichten, wenn sie keine Gelegenheit haben fernzusehen, etwa unterwegs im Auto.“

Was sich die Verantwortlichen um NDR-Intendanten wohl bei der Entscheidung gedacht haben, die Fernseh-Tagesschau auch im Radio zu senden? Dass die Konsumenten die Information, die in den Fernsehbeiträgen transportiert wird, auch ohne Bilder vermittelt bekommen?

So muss es wohl sein. Denn bereits vor NDR Info übernehmen einige Radioprogramme der ARD, wie NDR 1 Radio MV, hr iNFO, SWR contra und Antenne Saar vom SR, die 20-Uhr-Tagesschau.

Mich wundert, dass die Fernsehreporter und -redakteure der Tagesschau nicht dagegen protestieren, dass nur die Tonspur ihrer Beiträge gesendet wird. Ohne Bilder, die nun einmal im Fernsehen den Großteil der Information vermitteln, sollten für die Nur-Hörer doch wesentliche Inhalte der Beiträge verloren gehen .

Mich wundert aber auch, dass die Radioredakteure der betroffenen Sender nicht darauf drängen, dass sie die Themen, die in der Tagesschau behandelt werden, hörfunkgerecht aufbereitet on air bringen können. Anstatt eine Fernsehsendung zur Radiosendung zu machen.

Letztlich die Frage an die Konsumenten: Bei aller Popularität der Tagesschau – ist es befriedigend eine Fernsehsendung ohne Bild anzuschauen?

Zusatzangebot hin oder her. Es gibt ja auch das Multimediaangebot auf dem Onlineportal der ARD, wo all jene die Tagesschau anschauen können, die um 20.00 Uhr mit dem Auto unterwegs sind oder gerade keinen Fernseher bei der Hand haben.

NDR Info – ein Radioprogamm – wird ab 6. September 2010 die ARD-Tagesschau – also eine Fernsehsendung – ausstrahlen.  NDR-Intendant Lutz Marmor ist euphorisch:

„Damit bietet das Informationsprogramm Hörern in ganz Norddeutschland einen besonderen Service: Sie müssen auch dann nicht auf die Tagesschau verzichten, wenn sie keine Gelegenheit haben fernzusehen, etwa unterwegs im Auto.“

Was sich die Verantwortlichen um NDR-Intendanten wohl bei der Entscheidung gedacht haben, die Fernseh-Tagesschau auch im Radio zu senden? Dass die Konsumenten die Information, die in den Fernsehbeiträgen transportiert wird, auch ohne Bilder vermittelt bekommen?

So muss es wohl sein. Denn bereits vor NDR Info übernehmen einige Radioprogramme der ARD, wie NDR 1 Radio MV, hr iNFO, SWR contra und Antenne Saar vom SR, die 20-Uhr-Tagesschau.

Mich wundert, dass die Fernsehreporter und -redakteure der Tagesschau nicht dagegen protestieren, dass nur die Tonspur ihrer Beiträge gesendet wird. Ohne Bilder, die nun einmal im Fernsehen den Großteil der Information vermitteln, sollten für die Nur-Hörer doch wesentliche Inhalte der Beiträge verloren gehen .

Mich wundert aber auch, dass die Radioredakteure der betroffenen Sender nicht darauf drängen, dass sie die Themen, die in der Tagesschau behandelt werden, hörfunkgerecht aufbereitet on air bringen können. Anstatt eine Fernsehsendung zur Radiosendung zu machen.

Letztlich die Frage an die Konsumenten: Bei aller Popularität der Tagesschau – ist es befriedigend eine Fernsehsendung ohne Bild anzuschauen?

Zusatzangebot hin oder her. Es gibt ja auch das Multimediaangebot auf dem Onlineportal der ARD, wo all jene die Tagesschau anschauen können, die um 20.00 Uhr mit dem Auto unterwegs sind oder gerade keinen Fernseher bei der Hand haben.

Chaos Szenario

Bob Garfield ist Werbe- und Marketing-Analyst in den USA. „Was passiert, wenn die alte Weltordnung kollabiert und die neue tapfere Welt sie noch nicht ersetzen kann?“, fragt Bob Garfield in seinem neuen Buch und gibt im Titel gleich die Antwort vor: „The Chaos Scenario„.

Das Buch wird als faszinierend, erschreckend, lehrreich und oft übermütig beschrieben- und so lässt sich auch das Video charakterisieren:

The Chaos Scenario from Greg Stielstra on Vimeo.Bob Garfield ist Werbe- und Marketing-Analyst in den USA. „Was passiert, wenn die alte Weltordnung kollabiert und die neue tapfere Welt sie noch nicht ersetzen kann?“, fragt Bob Garfield in seinem neuen Buch und gibt im Titel gleich die Antwort vor: „The Chaos Scenario„.

Das Buch wird als faszinierend, erschreckend, lehrreich und oft übermütig beschrieben- und so lässt sich auch das Video charakterisieren:

The Chaos Scenario from Greg Stielstra on Vimeo.

Bob Garfield ist Werbe- und Marketing-Analyst in den USA. „Was passiert, wenn die alte Weltordnung kollabiert und die neue tapfere Welt sie noch nicht ersetzen kann?“, fragt Bob Garfield in seinem neuen Buch und gibt im Titel gleich die Antwort vor: „The Chaos Scenario„.

Das Buch wird als faszinierend, erschreckend, lehrreich und oft übermütig beschrieben- und so lässt sich auch das Video charakterisieren:

The Chaos Scenario from Greg Stielstra on Vimeo.

Wider die Glaubwürdigkeit

Der „PR-Einfluss auf Journalismus muss drastisch zurückgedrängt werden“, hat das Netzwerk Recherche schon vor Jahren gefordert, weil:  „Der Einfluss der Public Relations (PR) auf journalistische Medien nimmt massiv zu.“ Das war 2004. 2010 hat sich daran nichts geändert. Im Gegenteil.

Tim Klimes zeigt in seinem Blog ein besonderes Beispiel dazu auf: Er demonstriert, wie frappant ähnlich Inhalt und Formulierungen in der Presseaussendung eines Medienunternehmens und in der darauf folgenden Meldung der dpa, der Deutschen Pressagentur sind.

Besonders ist das Beispiel für mich auch deshalb, weil einerseits Redakteure die Informationen von Presseagenturen in der Regel für glaubwürdiger halten als die anderer Quellen. Andererseits hat der dpa-Chef medial wirksam angekündigt, seine Redakteure würden PR-Texte nachrecherchieren, bevor deren Inhalte als redaktionelle Agenturmeldung an die zahlenden Kunden, nämlich die Redaktionen, verschickt werden.Der „PR-Einfluss auf Journalismus muss drastisch zurückgedrängt werden“, hat das Netzwerk Recherche schon vor Jahren gefordert, weil:  „Der Einfluss der Public Relations (PR) auf journalistische Medien nimmt massiv zu.“ Das war 2004. 2010 hat sich daran nichts geändert. Im Gegenteil.

Tim Klimes zeigt in seinem Blog ein besonderes Beispiel dazu auf: Er demonstriert, wie frappant ähnlich Inhalt und Formulierungen in der Presseaussendung eines Medienunternehmens und in der darauf folgenden Meldung der dpa, der Deutschen Pressagentur sind.

Besonders ist das Beispiel für mich auch deshalb, weil einerseits Redakteure die Informationen von Presseagenturen in der Regel für glaubwürdiger halten als die anderer Quellen. Andererseits hat der dpa-Chef medial wirksam angekündigt, seine Redakteure würden PR-Texte nachrecherchieren, bevor deren Inhalte als redaktionelle Agenturmeldung an die zahlenden Kunden, nämlich die Redaktionen, verschickt werden.

Der „PR-Einfluss auf Journalismus muss drastisch zurückgedrängt werden“, hat das Netzwerk Recherche schon vor Jahren gefordert, weil:  „Der Einfluss der Public Relations (PR) auf journalistische Medien nimmt massiv zu.“ Das war 2004. 2010 hat sich daran nichts geändert. Im Gegenteil.

Tim Klimes zeigt in seinem Blog ein besonderes Beispiel dazu auf: Er demonstriert, wie frappant ähnlich Inhalt und Formulierungen in der Presseaussendung eines Medienunternehmens und in der darauf folgenden Meldung der dpa, der Deutschen Pressagentur sind.

Besonders ist das Beispiel für mich auch deshalb, weil einerseits Redakteure die Informationen von Presseagenturen in der Regel für glaubwürdiger halten als die anderer Quellen. Andererseits hat der dpa-Chef medial wirksam angekündigt, seine Redakteure würden PR-Texte nachrecherchieren, bevor deren Inhalte als redaktionelle Agenturmeldung an die zahlenden Kunden, nämlich die Redaktionen, verschickt werden.

Information braucht Redaktion

Bekenntnisse eines geschäftsführenden Redakteurs: Richard Stengel, Managing Editor von TIME, nutzt das Erscheinen des Bildbandes „The Illustrated History of the World’s Most Influential Magazine“ über die 87-jährige Geschichte des Magazins für eine grundlegende Erläuterung der journalistischen Prinzipien von TIME. Aller Pathos abgezogen, der sich womöglich durch den Buchtitel eingeschlichen hat, trifft Stengel die Kernaufgaben des Journalismus, die nicht nur seiner Meinung nach in Zukunft bedeutender sein werden als in den vergangenen 87 Jahren:

„In a time of information overload, we understand that information needs editing, voices need moderating, data need curating.“

Dieses Verständnis von Journalismus wird entscheidend für den Unterschied zwischen der vom Rezipienten anerkannten journalistischen Arbeit und den engagierten Aktivitäten der vielen Laienpublizisten sein, die für das Web 2.0 so bedeutend sind; entscheidend für die Legitimation der professionellen journalistischen Tätigkeit in einer Zeit, in der die technischen Möglichkeiten des Internet die Unterschiede zwischen Produzenten und Konsumenten aufgehoben haben.

Journalisten vs. Konsumenten/Produzenten

Laienpublizisten dürfen fast alles ins Netz stellen – dem User obliegt die Entscheidung, was er davon als wahr, als falsch, als Gerücht, als persönliche Meinung oder überhaupt nur als Unsinn bewertet. Vom Journalisten erwartet der Rezipient hingegen verlässliche Berichterstattung, die den Kriterien Genauigkeit, Glaubwürdigkeit und Transparenz entsprechen.

Der Journalist nimmt dem Rezipienten Arbeit ab, indem er die Informationen aus der Flut, die ständig über uns hereinbricht, für ihn sortiert, sie aufbereitet und sie für den User von Bedeutung macht. Information braucht Redaktion. Das gibt den Journalisten Daseinsberechtigung, vor allem wenn sie dafür auch noch Geld kassieren wollen.

Das lange Warten auf den User

In einem anderen Punkt irrt der Managing Editor von TIME. Besser gesagt: Richard Stengel verfällt in Wunschdenken, wenn er die Deutungshoheit der Ereignisse auch noch im Zeitalter der Social Media für die Journalisten reklamiert:

„The book explores TIME’s original mission, much of which is just as relevant today. We still aim to be broad and deep. The proliferation of information sources has made it possible for people to focus on specific nodes of information. That’s fine. But TIME continues to believe that intelligent readers are interested in everything from politics to technology to art to religion.“

Es bleibt unwidersprochen, dass sich Rezipienten nach wie vor für viele unterschiedliche Dinge interessieren, wenn sie mit diesen konfrontiert werden. Zusätzlich nämlich zu den Interessen, für die sie aktiv ihre Communities und Nschrichtenkanäle wählen. Aber immer weniger, vor allem junge Rezipienten, sehen den Journalisten und die Medien, für die diese arbeiten, als Garanten für umfassende, breit gefächerte Information. Von Journalisten und Medienunetrnehmern wenig beachtet, oft auch geflissentlch ignoriert hat sich das Grundverständnis für Informationsvermittlung radikal geändert: „Wenn eine Nachricht so wochtig ist, dass ich sie wissen muss, wird sie mich erreichen.“

Die Nachricht findet ihren Weg zum User

Dieser Satz ist zum Motto des neuen Kommunikationsverhaltens geworden. Facebook und Twitter sind stellvertretend zwei Plattformen im sozialen Netzwerk, in dem sich Nachrichten mit großer Geschwindigkeit verbreiten (können). Journalisten müssen diese Wege nutzen und nicht, wie Stengler, darauf vertrauen, dass Rezipienten immer noch zu den Journallisten und ihren Medien kommen, wenn sie umfassend informiert sein wollen.

Die meisten klassischen Medienmacher ignorieren die neue Wirklichkeit. Einer, der sie akzeptiert und konsequent handelt, ist Alan Rusbridger, der Chefredakteur des Guardian, das nun ein WordPress-Plugin bereit gestellt hat. Damit können Blogger Guardian-Artikel in ihren Blog einbinden und die Artikel gleich kommentieren. Der Gaurdian forciert so die Verbreitung seiner Artikel im sozialen Netzwerk, anstatt die eigenen journalistischen Produkte hinter Firewalls zu verstecken und sie nur zahlungswilligen Kunden zugänglich zu machen.

Die Arroganz der Medienmacher

Journalisten und Medienunternehmer müssen endlich wegkommen von ihrer überheblichen Haltung, die TIME-Editor Stengel in der subjektiven Gewissheit der Wichtigkeit seines Mediums unmissverständlich formuliert:

„TIME’s iconic red border symbolizes a bold, even arrogant idea. Everything inside that red border is worth knowing, and whatever is outside of it, well, not so much.“

Fehleinschätzungen wie diese zeugen nicht nur von realitätsverkennender Überheblichkeit. Sie werden auch genährt vom trügerischen Ruhekissen, dass noch nie soviele Rezipienten TIME – das Magazin und seine Online-Angebote – genutzt haben wie heute. Diese Haltung verstellt einmal mehr den Blick auf die Notwendigkeit, dass die Medienunternehmen dringend funktionierende Geschäftsmodelle entwicklen müssen. Diese basieren, wenn sie Erfolg haben wollen, auf den geänderten Kommunikationsgewohnheiten vor allem der jungen Menschen, der „Konsumenten von morgen“. Das iPad als Hoffnung ist zu wenig, wenn Websites, die den wirtschaftlichen Niedergang in den USA dokumentieren und analysieren, nicht auch in Zukunft häufiger akutalisiert werden müssen als uns Journalisten lieb ist.

Das Wichtigste ist bei der Wahrheit zu bleiben

Ernst Ulrich von Weizsäcker ist DER  international renommierte Vordenker für nachhaltiges Wachstum. In seinem jüngsten Buch mit dem Titel „Faktor fünf“ präsentieren er und seine Mitautoren das Konzept einer zukunftssicheren, umweltverträglichen Wirtschaftspolitik. Weizsäcker  fordert, dass die Rohstoffe fünfmal besser genutzt werden müssten als bisher. Dadurch lasse sich ein deutlicher Zuwachs an Wohlstand und Lebensqualität herbeiführen. Dieses ehrgeizige ökologische Ziel sieht Weizsäcker als wegweisend für den technologischen Fortschritt und für nachhaltiges Wachstum.

Mitte Juni stellte sich Ernst Ulrich von Weizsäcker im ORF-Landesstudio Salzburg in einer Veranstaltung der Salzburger.Zukunfts:Dialoge der Diskussion. Anschließend fragte ich ihn in einem kurzen Interview über sein Verhältnis zum Journalismus und über die Rolle, die er Journalisten auf dem Weg zu einer klimaschonenden Gesellschaft zuweist:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=BuzxTOs739o]

Äpfel mit Birnen vergleichen

„Twitter hat versagt“, schreibt Henrik Schmitz, Kultur- und Medienredakteur bei evangelisch.de. Er begründet auch umfassend, warum er zu dieser Einschätzung kommt:

„Bei der Geiselnahme von Leipzig hatte die Mikroblogging-Plattform die Gelegenheit zu beweisen, dass sie mehr kann als etablierte Verlage und Rundfunkanstalten: Liveberichterstattung aus vielen Blickwinkeln und dazu Hintergrundinformationen, zusammengetragen von der Vielzahl der Nutzer. Stattdessen gab es Raunen im Walde, Fehlinformationen und Werbung – valide Informationen lieferten professionelle Journalisten.“

Redakteur Schmitz unterliegt einem grundlegenden Irrtum: Twitter ist keine Redaktion, die im journalistischem Wettstreit mit einem Medium liegt; Twitter ist ein Vertriebskanal wie Radio oder Fernsehen.

Twitter transportiert Informationen, jeweils maximal 140 Zeichen lang. Twitter lässt nicht nur Journalisten Tweets verschicken. Auf der Plattform twittern Lifestyle-Exhibitionisten Angaben über ihre tägliche Ration Müsli, ebenso Experten wie mashable ihre Tipps zu Social Media, aber auch Nachrichtensender wie CNN ihre breaking news.

Nein, Twitter hatte keine Gelegenheit zu beweisen, dass es mehr kann als etablierte Verlage und Rundfunkanstalten! Individuen, die Twitter als Verbreitungskanal für ihre Informationen benutzen, hätten die Gelegenheit dazu gehabt. Ist offensichtlich nicht geschehen – dafür ist aber Twitter nicht verantwortlich zu machen. (In einem anderen Fall, bei der Notlandung von US Airways Flug 1549 im Hudson in New York ist das durchaus gelungen.)

Twitterer PaganFolk irrt, wenn er triumphierend postuliert, dass Twitter immer einen Schritt voraus sei. Einzig ein Twitterbenützer hätte den etablierten Medien einen Schritt voraus sein können, wenn er glaubwürdige und verlässliche Informationen zum Ereignis vermittelt hätte.

Redakteur Schmitz irrt, wenn  er von einem Punktesieg professioneller Journalisten gegen Twitter schreibt. Denn dieses Match hat nie stattgefunden. Redakteur Schmitz vergleicht Äpfel mit Birnen, weil er einen Vergleichskampf zwischen journalistischem Inhalt und technischem Verbreitungskanal herbei schreibt. Eine unmögliche Paarung.

Hier läuft einmal mehr die kindische und völlig überflüsige Wadlbeißerei ab zwischen

  • einem User, der – aus welchen Gründen auch immer – die journalistische Kompetenz in Zeiten von Social Media offensichtlich für entbehrlich hält und
  • einem Journalisten, der ebenso offensichtlich nicht wahrhaben will, dass Social Media nicht die Feinde, sondern eine Zukunftschance für den arg gebeutelten Journalismus  sind.

Warum ist es so schwer zu akzeptieren, dass beides unabdingbar ist? Journalisten brauchen Social-Media-Plattformen wie Twitter, damit sie zumindest einen Teil jener Rezipienten erreichen, die keine klassischen Massenmedien mehr konsumieren. Auch Internetnutzer wollen Inhalte, auf die sie sich verlassen können, ohne dass sie diese selber auf den Wahrheitsgehalt überprüfen müssen. Inhalte, die journalistischen Qualitätskriterien wie verlässlich, glaubwürdig oder verständlich entsprechen.

Journalismus und seine digitale Zukunft

Unter 2700 Journalisten haben sich die dpa-Tochter news aktuell und Faktenkontor umgehört, um Meinungen zum Journalismus in einem neuen Informationszeitalter zu bekommen. Die Ergebnisse haben sie im „Medien Trendmonitor 2010″ zusammengefasst. Zwei davon lauten:

  • Zwei von drei Journalisten sagen, dass sie fit sind für die digitale Zukunft.
  • Aber nur jeder vierte denkt das Gleiche von den deutschen Medienunternehmen.

In diesem Video sind die Resultate der Umfrage ebenfalls aufgelistet:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=8fgWH1Xpbwo]

Vier Sätze für den Journalismus

Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von jetzt.de der Süddeutschen Zeitung, hat in seinem Weblog (hoffentlich nicht nur die deutschen) Journalisten aufgerufen, ihre Einschätzung über die Zukunft des Journalismus in Antworten auf vier Fragen zu formulieren:

Das sollte jeder Journalist/jede Journalistin heute lernen: Der Weg der journalistisch aufbereiteten Information ist keine Einbahn mehr, es gibt eine leistungsstarke Gegenfahrbahn, die dem Leser, Hörer, Seher und User ganz neue  Möglichkeiten gibt … und das ist keine Katastrophe, sondern vielmehr eine interessante, herausfordernde Perspektive für unsere Arbeit.

Nutzerbeteiligung macht den Journalismus besser, wenn die Journalisten Leser, Hörer, Seher und User nicht mehr als heterogenes, anonymes und disperses Publikum sehen, sondern sie als gleichwertige Partner im Prozess der Informationsvermittlung akzeptieren, sie ernst nehmen  und entsprechend professionell handeln.

In zehn Jahren werden wir uns darüber wundern, dass in der heutigen Debatte wir Journalisten insgesamt so wenig Selbstbewusstsein zeigten. Die Strukturkrise der Medien, die Sparwut und das Streichkonzert der Medienunternehmer in den Redaktionen verdecken den Blick aufs Wesentliche:  Gut gemachter Journalismus ist in unserer demokratischen Gesellschaft und angesichts der Informationsflut, die permanent auf die Bürger niedergeht, unentbehrlich für die Kontrolle der Mächtigen und um den Bürgern Orientierung zu geben.

So könnte ein Geschäftsmodell für den Journalismus von morgen aussehen: Ich kenne es genauso wenig wie alle anderen. Ich weiß aber, dass wir uns endlich ernsthaft auf die Suche nach diesem neuen Geschäftsmodell, vielleicht auch diesen neuen Geschäftsmodellen machen müssen. Wir dürfen unsere Zeit nicht länger vergeuden, indem wir auf den Erfolg von Kopien von Althergebrachtem , wie paid content, hoffen oder an die Erlösung durch technische Geräte wie das iPad glauben.

PS: Es ist unausweichlich, dass die Reduktion auf wenige Sätze der Komplexität dieser grundsätzlichen, existenziellen  Fragen nicht gerecht wird. Vielleicht ist das ja Ausgangspunkt einer Diskussion nicht nur unter Journalisten, über die ich mich sehr freuen würde.